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Teresa Pinheiro

Europäerin mit Leib und Seele

Teresa Pinheiro ist Inhaberin der Professur »Kultureller und Sozialer Wandel« an der Technischen Universität Chemnitz. Seit 1994 lebt die Wissenschaftlerin in Deutschland. An der TU Chemnitz forscht und lehrt sie seit 2004.

Foto: Teresa Pinheiro

(© Teresa Pinheiro)

Was kann man sich unter Ihrem Forschungsgebiet vorstellen?

Die Professur gehört zu den Europa-Studien, wir beschäftigen uns mit kultur- und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Mein Schwerpunkt ist die iberische Halbinsel

… was heißt das konkret?

Wir beschäftigen uns zum Beispiel mit der Frage, wie Nationalismus in europäischen Regionen entsteht oder wie eine Gesellschaft mit Immigration umgeht. Eines meiner Seminare heißt »Was ist Europa?«. Dabei geht es aber nicht um die Beantwortung dieser Frage. Stattdessen gehen wir in der Geschichte zurück und stellen überraschenderweise fest, dass schon Historiker im Altertum wie Strabo oder Herodot eine ziemlich europazentristische Sicht hatten. Wir sind allerdings keine Historiker in dem Sinne, dass wir Ereignisse rekonstruieren. Wir fragen eher nach Mentalitäten, wie sie entstanden sind und welche Rolle sie heute in unserer Gesellschaft spielen.

Sie kommen aus Portugal. Warum sind Sie nach Deutschland gekommen?

Gleich nach meinem Studium bin ich als Lektorin an die Uni nach Bayreuth gegangen, dort habe ich Sprachkurse geleitet. Die Stellenanzeige war in einer portugiesischen Zeitung erschienen und hatte schrecklich viele Schreibfehler, unter anderem stand dort Beireute statt Bayreuth. Jedenfalls war ich mit 22 Jahren an der Uni Bayreuth. Nach meiner Promotion habe ich mich dann in Chemnitz beworben.

Und warum Chemnitz?

Hier hat einfach alles gepasst: Die Professur ist perfekt für mein wissenschaftliches Profil und bietet die Möglichkeit, wissenschaftlich zu arbeiten und unabhängig zu sein. Außerdem wollte ich unbedingt nach Ostdeutschland, weil ich damals schon ein Kind hatte und hier die Kinderbetreuung viel besser ist als im Westen. Heute habe ich drei Kinder. Ich bringe sie morgens in die Schule und kann dann acht Stunden arbeiten. Und als sie kleiner waren, habe ich sie einfach mit in die Vorlesungen genommen. Außerdem liegt Chemnitz nicht allzu weit entfernt von Bayreuth, wo mein Mann arbeitet.

An welchem Forschungsprojekt arbeiten Sie gerade?

Vor kurzem habe ich ein großes Projekt abgeschlossen, nämlich das Buch »Ideas of / for Europe. An Interdisciplinary Approach to European Identity«. Zurzeit bereite ich mit einer Kollegin aus der University of Harvard ein Special Issue für ein internationales Journal zum Thema der Vergangenheitsbewältigung auf der iberischen Halbinsel vor, es wird wahrscheinlich im Herbst erscheinen. Zwei Bücher sind zur Zeit auch im Druck, sie werden in den nächsten Wochen auf den Markt kommen. Hier an der TU Chemnitz organisiere ich im Sommersemester zwei Tagungen. Die eine – Südosteuropa-Tage 2013 – beschäftigt sich mit der Balkanregion und ihrer Beziehungen zur EU. Die andere findet im Juni statt und ist dem Werk des chilenischen Nobelpreisträgers Pablo Neruda anlässlich des 40. Jahrestags seines Todes 1973 gewidmet.

Welche Ziele haben Sie für die Zukunft?
Ich würde gerne weiter in der Forschung arbeiten. Wenn ich in Deutschland bleibe, dann in Ostdeutschland, sonst kämen eher westeuropäische Länder wie Frankreich oder Spanien in Frage. Aber ich würde auch gerne hier bleiben, mir gefallen die Sachsen: Sie sind entspannt und die Arbeit wird trotzdem gemacht. Sachsen ist außerdem eine sehr interessante historische Region, es gibt hier viel zu sehen und zu lernen. Außerdem bietet Sachsen die beste Schulausbildung der OECD, wie die neuste Pisa-Studie gezeigt hat. Wenn man Kinder im Schulalter hat, ist das ein wichtiger Standortvorteil.

Stand: Mai 2013

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