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Dr. Gianaurelio Cuniberti

Von unten nach oben zu neuen Werkstoffen

Prof. Dr. Gianaurelio Cuniberti ist seit 2007 Inhaber der Professur für Materialwissenschaft und Nanotechnik an der TU Dresden und Honorarprofessor an der POSTECH – Pohang University of Science and Technology (Korea) sowie an der University of Alabama (USA). Er wurde 1970 in Genua (Italien) geboren.

Foto: Prof. Gianaurelio Cuniberti

Prof. Gianaurelio Cuniberti
(©  TU Dresden)

Sie betreiben Materialforschung nach dem Bottom-up-Prinzip. Was ist das?

Das ist die Erforschung neuer Materialien, die aus ihren einzelnen Bestandteilen aufgebaut werden, also »von unten nach oben«. Bildlich gesprochen: Wir versuchen Nanostrukturen aus einzelnen Atomen und Molekülen zusammenzusetzen. Das ist der entgegengesetzte Weg zur Top-down-Materialforschung, die auf Miniaturisierungsprozessen basiert und zum Beispiel versucht, Computer immer weiter zu verkleinern und schneller zu machen. Den Miniaturisierungsprozessen sind aber durch die Granulariät – also Körnigkeit – der Materie enge Grenzen gesetzt. Die wollen wir umgehen.

Was möchten Sie erreichen?

Wir wollen neue Bauelemente entwickeln, die zum Beispiel in Computerchips oder als intelligente Sensoren eingesetzt werden könnten. Diese Elemente sollen viel kleiner sein als die Bestandteile heutiger Rechner. Dabei versuchen wir, uns die Natur zum Vorbild zu nehmen. Beispielsweise besitzen die Neuronen und Synapsen im Gehirn eine komplexe und intelligente Vernetzung. Sie entscheiden selbst, mit welchem Nachbar-Neuron sie sich verbinden. An diese Ideen angelehnt sind die winzigen Nano-Schalter, die wir gerade erforschen. Sie sind etwa 50 Mal kleiner als heutige Transistoren und könnten sich ähnlich den Neuronen im Gehirn selbständig vernetzen. Eine andere Inspirationsquelle aus der Natur ist die menschliche Erbinformation, die DNA: Es zeigt sich, dass hier Soft- und Hardware bei der Entstehung von Proteinen nicht voneinander unterschieden werden können.

Sie hatten im Jahr 2007 mit 37 schon eine eigene Professur. Wie haben Sie das geschafft?

Was heißt »schon«? Für einen Fußballer wäre das steinalt (lacht). Das Forschen ist meine Leidenschaft. Ich wollte schon immer wissen, wie bestimmte Dinge funktionieren. Nicht zuletzt habe ich eine große Portion Glück gehabt.

Was finden Sie an Dresden interessant?

Die Forschungslandschaft hier in Dresden ist großartig! Hier gibt es um die Exzellenzuniversität TU herum eine große Zahl sehr dynamischer außeruniversitärer Institute. Diese haben sich mit der TU im DRESDEN-concept mit dem Ziel zusammengeschlossen, die enormen Synergievorteile dieser räumlichen Konzentration stetig auszubauen. Wenn man alle diese im DRESDEN-concept vertretenen hervorragenden Forschungseinrichtungen zusammen sieht, spielt Dresden weltweit in der ersten Liga. Darüber hinaus ist das kulturelle Leben in Dresden herausragend und die Landschaft ist hier und in der Umgebung wirklich einzigartig.

Was würden Sie jungen Wissenschaftlern mit auf den Weg geben?

Jeder sollte seiner Leidenschaft folgen und mit viel Ausdauer sein Studium – neben dem Spaß – ernsthaft betreiben. Außerdem ist meiner Meinung nach eine gewisse Menge an Risikofreudigkeit und Enthusiasmus für das Studienfach nötig. Und man sollte keine Angst vor dem Unbekannten haben und sich von Miesmacherei und Bedenkenträgertum nicht von seinen Zielen und Ideen abbringen lassen.

Stand: Mai 2013

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