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Gero Strauss

Autopilot für Chirurgen

Gero Strauss ist Direktor des IRDC und Vorstand für Wissenschaft und Entwicklung am ICCAS Leipzig. Darüber hinaus ist der HNO-Chirurg Gründer und Betreiber der »Acqua Klinik« Leipzig. Mit einer Vielzahl von Entwicklungen der Medizintechnik hat sich Leipzig in den vergangenen 10 Jahren zu einem Zentrum der softwarebasierten Assistenzsysteme entwickelt. Hier ist die neueste Generation des digitalen OP-Saals in Betrieb, wurden Unternehmen (wie SPI GmbH) gegründet und über 50 Arbeitsplätze mit hohem Wertschöpfungspotential geschaffen.
Foto: Dr. Gero Strauss

Dr. Gero Strauss
(© ACQUA Klinik)

Womit befasst sich Ihr Forschungsgebiet?

Mit Systemen, die Chirurgen bei Operationen helfen. In der einfachsten Form ist das ein Warnsystem, das hilft, Nerven nicht zu verletzten. Am Beispiel der Ohrchirurgie: Per Computertomographie wird bildlich gesprochen eine Landkarte vom Ohr erzeugt. Während der Operation kann der Arzt immer nachvollziehen, wo genau er sich gerade befindet.

Wird in Zukunft der Computer unabhängig vom Arzt operieren?

Nein, auf keinen Fall. Ich vergleiche computergestützte Chirurgie gern mit Assistenzsystemen im Auto wie zum Beispiel Antiblockiersysteme, akustische Abstandswarnung oder Navigationssysteme. Der Chirurg beziehungsweise der Autofahrer behält immer die Kontrolle. Selbst mit den technischen Mitteln von heute ist die Chirurgie immer noch ein Handwerk, dessen Erfolg auf viel Erfahrung und Intuition beruht.

Was sind die neuesten Entwicklungen?

Wir erproben zurzeit eine »Way-Point-Navigation«, die es dem Chirurgen erlaubt, vor der Operation die einzelnen OP-Schritte zu programmieren. So kann das System während des Eingriffs Hinweise zur nächsten Landmarke, zur empfohlenen Route oder Alternativen geben. Auch die erwartete Zeit des OP-Endes kann so ständig aktualisiert und an die Anästhesie oder das OP-Management weitergegeben werden.

Mit welchen Partnern arbeiten Sie zusammen?

Ich selbst forsche und entwickle am IRDC Leipzig und im Interdisziplinären Zentrum für Computer- und Robotergestützte Chirurgie (ICCAS) der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig. Für die eigentliche Umsetzung ist das Ingenieurteam um Professor Dr. Tim Lüth von der Technischen Universität München verantwortlich. Die Karl Storz GmbH & Co. KG aus Tuttlingen hat das Produkt letztendlich entwickelt. In dieser Konstellation arbeiten wir schon seit langem sehr gut zusammen.

Ihre Partner kommen überwiegend nicht aus Sachsen. Gibt es einen Grund dafür?

Computerassistierte Chirurgiesysteme sind ein sehr spezielles Gebiet, das eine langjährige Forschungskooperation benötigt. Diese existiert mit den genannten Partnern seit über 10 Jahren. Unsere Arbeit hat aber auch erheblichen Einfluss auf Sachsens Forschungslandschaft. Auf diese Weise wollen wir Sachsen wieder zu einem weltweit erfolgreichen Standort der Medizintechnik machen. Inzwischen gibt es aber Neugründungen von Unternehmen im Gebiet der CAS und Neuausrichtungen von Fachhochschulen wie der HTWK Leipzig, die uns die Arbeit wesentlich erleichtern.

Stand: Mai 2013