1. Navigation
  2. Inhalt
  3. Herausgeber
Inhalt

Frédéric Fourré, Sommelier und Winzer

Frédéric Fourré im November 2009

Vom Fuße des Pariser Montmartre zog es ihn an den Fuß der Weinberge in Radebeul: Frédéric Fourré lebt seit 1998 in Sachsen.
(© Frédéric Fourré)

Vom Fuße des Pariser Montmartre, wo er geboren wurde, zog es ihn an den Fuß der Weinberge in Radebeul: Frédéric Fourré lebt seit 1998 in Sachsen. Nach der Hotelfachschule in Paris ließ er sich im Elsass und im Roussillon zum Sommelier ausbilden. Heute wohnt er mit seiner Familie auf einem alten Gut, ganz in der Nähe von seinem Weinberg in der renommierten Lage "Radebeuler Goldener Wagen".

Warum sind Sie nach Sachsen gekommen?
Meine Frau ging 1993 als Tänzerin an die Semperoper. Fünf Jahre lang pendelte ich zwischen Paris und Dresden und zog 1998 nach. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich immerhin genug Deutsch, um einkaufen zu gehen. Das reichte jedoch noch nicht für den Beruf des Sommeliers, denn der muss sich sehr differenziert ausdrücken können und auch das hören, was die Gäste nicht sagen. Ich kellnerte also zuerst in der Neustadt und wurde dann von einem Weinlieferanten seinen wichtigsten Restaurant-Kunden vorgestellt. Im November 1998 fing ich im Hotel Taschenbergpalais an, war abends im Restaurant und morgens in der Sprachschule. Dort ist die Lehrerin Irmtraudt Pluntke, eine gebürtige Sächsin, unsere Freundin geworden. Sie zeigte uns die Sächsische Schweiz und gab uns Stollenrezepte. Sie wurde sogar eine Oma für unsere zwei Kinder.

Erinnern Sie sich noch an Ihre ersten Eindrücke von Dresden?
Es war sehr, sehr kalt im Winter 1993. Später fand ich es sehr grün, man ist der Natur so nah, so etwas wie die Elbwiesen gibt es nicht in Paris. Und dann das reichliche Kulturangebot! Bei meinem ersten Besuch in der Galerie der Alten Meister war ich überrascht, dass es so etwas in einer so kleinen Stadt gibt.

Konnten Sie sich damals vorstellen, dass Sie hier Wurzeln schlagen würden?
Nein. Das Taschenbergpalais war Anfang 1994 noch eine Ruine. Ich habe allerdings als Franzose in Sachsen schnell sehr gute Erfahrungen gemacht. Die Sachsen mögen Franzosen.

Weinberg von Frédéric Fourré

Weinberg von Frédéric Fourré
(© Frédéric Fourré)

Wie entstand die Idee, selbst Weinbau zu betreiben?
Ich interessiere mich ja schon aus beruflichen Gründen für Weinbau. 1995 lernte ich den Winzer Karl Friedrich Aust kennen, war viel mit ihm im Keller und im Weinberg und zu Besuch bei anderen Winzern. Nach ein paar Jahren fand er, ich solle selbst eine kleine Rebfläche bewirtschaften. Oberhalb von seinem Weinberg in Radebeul hatte ich hobbymäßig drei Terrassen und produzierte zunächst 350 Flaschen. Inzwischen ist es ein halber Hektar, außerdem kaufe ich Trauben von anderen Winzern hinzu und erwirtschafte insgesamt 10 000 Flaschen. Bisher stand ich noch allein im Weinberg, bei der letzten Ernte habe ich allerdings einen Helfer eingestellt. Der Schritt in den Weinbau war eine gute Entscheidung. Im Weinbauverband wurde ich schnell von den Kollegen integriert. Ich bin da der einzige von den fünf Sommeliers, die in Dresden arbeiten.

Könnten Sie sich vorstellen, Ihren Beruf auch anderswo auszuüben?
Hätte es mich in Frankreich in eine Weingegend verschlagen, hätte ich es genauso gemacht. Allerdings war es hier viel einfacher als zum Beispiel im Bordeaux, wo es tausend Winzer gibt. Hier sind es 30 bis 35, als Franzose bin ich der Exot. Das ist ein Vorteil, wenngleich er auf einem Vorurteil beruht. Es gibt viele Franzosen, die nichts von Wein verstehen... Jetzt bin ich auf dem Weg, den Betrieb zu vergrößern. Einen halben Hektar habe ich neu aufgerebt. Das Ziel ist, in den nächsten fünf Jahren meinen Weinbau auf vier Hektar auszubauen. Ich will davon leben können und am Wochenende aus Spaß weiter als Sommelier arbeiten.

Frédéric Fourré

(© Frédéric Fourré)

Marginalspalte


213_sehnsuchtsachsen

Impression

Etikett eines Weines von Frédéric Fourré

© Sächsische Staatskanzlei