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Die Schmalspurbahn in Sachsen

Wirtschaftlicher Erfolg durch die Schmalspurbahn

Für die wirtschaftliche Entwicklung Sachsens stellten die Schmal- spurbahnen einen entscheidenden Erfolgsfaktor dar. Sie verbanden ländliche Regionen mit Industriegebieten und förderten somit die industrielle Entwicklung.  

Schon Ende des 19. Jahrhundert war das sächsische Eisenbahnnetz auf weite Teile des Landes ausgedehnt. Einschränkungen im weiteren Ausbau der Eisenbahnstrecken entstanden jedoch durch das bergige Relief in Sachsen, welches den Einsatz regelspuriger Bahnen vor allem finanziell erschwerte. Die Entscheidung für die Nutzung der Schmal- spurbahn garantierte die Erweiterung des Bahnnetzes in ganz Sachsen. 

Nach der Eröffnung der ersten schmalspurigen Eisenbahnstrecke Wilkau-Hasslau-Kirchberg 1881, entstand in den Folgejahren eine Vielzahl von Strecken. Diese wurden überwiegend als Schmalspur- bahnen gebaut. Regelspurige Bahnstrecken wurden nur noch zur Verbindung von bereits bestehenden Bahnen errichtet. Besonders im Erzgebirge erwiesen sich die Schmalspurbahnen als entscheidend für die Industrialisierung, denn sie ermöglichten den kleinen Betrieben in den engen Erzgebirgstalern eine Anschluss an das umfassende Eisenbahnnetz.

Von der Krise zur Friedlichen Revolution

Die Wirtschaftskrise am Ende der 1920er Jahre beeinträchtigte auch den Betrieb der Schmalspurbahnen. Ursachen dafür waren sowohl die Inflation als auch die steigenden Kosten für Bahnbetrieb und Personal. Mit der Einführung moderner Einheitswagen, welche mit Dampfheizung, elektrischer Beleuchtung, Saugluftbremse und halbautomatische Kupplung ausgestattet waren, sollte der Fahrgast bequemer und vor allem häufiger reisen können.

Die technische Weiterentwicklung der Schmalspurbahnen wurde während der Jahre des Zweiten Weltkrieges weitestgehend unterbrochen, da das Personal für den Kriegsdienst eingezogen wurde. Im letzten Kriegsjahr 1945 wurde der Zugverkehr auf den Schmalspurbahnen in Sachsen vollständig eingestellt. Erst nach dem Krieg wurde das Schmalspurbahnnetz Schritt für Schritt wieder aufgebaut. Erschwert wurde dies durch die oftmals heruntergewirtschafteten Fahrzeuge und die Abgabe einiger der modernsten Lokomotiven an die Sowjetunion als Teil der Reparationsleistung.

Im Erzgebirge konnte durch den Uranabbau die Verkehrsleistung der Schmalspurbahnen kurzfristig gesteigert werden. Diese ermöglichten den Arbeitern den Transport in die Bergwerke. Moderne Buslinien lösten jedoch schon bald den Schmalspurbahnverkehr ab und die Strecken wurden zunehmend vernachlässigt. Auch wenn in den 1960er Jahren die Gleise auf einigen Strecken erneuert wurden, so beschloss das Ministerium 1964 die Stilllegung aller Schmalspurstrecken bis 1975. Der Fortbestand der Strecken hätte einer umfangreichen Erneuerung der Fahrzeuge und Anlagen bedurft, für das jegliche ökonomische und technische Kapazität fehlte. 

Erst 1974 wurden sieben Schmalspurbahnen wieder belebt und als Denkmale der Verkehrsgeschichte ausgewählt. Neben diesen touristischen Bahnen waren noch sechs Schmalspurbahnen im Personen- und Güterverkehr in Betrieb. Die zur vollständigen Erhaltung vorgesehenen Strecken wurden ab 1977 schrittweise modernisiert und die Wagen umgebaut. Bis 1989 wurde etwa die Hälfte aller Gleisanlagen erneuert und fast alle Fahrzeuge auf Druckluftbremse umgestellt.

Nach der Friedlichen Revolution sollten die Schmalspurbahnstrecken zu einem großen Teil still gelegt oder privatisiert werden. Eisenbahnliebhaber und zahlreiche Vereine erreichten in den frühen 1990er Jahren den Aufbau von Teilabschnitten einiger Strecken. Insbesondere die Strecke der Preßnitztalbahn wurde zu einer beeindruckenden Museumsbahnstrecke ausgebaut.

Die Schmalspurbahnen in Sachsen heute

Derzeit werden die noch im Regelbetrieb befindlichen Schmalspurbahnen in Sachsen von den Eisenbahnverkehrsunternehmen Sächsische Dampfeisenbahngesellschaft mbH (SDG, vormals BVO-Bahn), Sächsisch-Oberlausitzer Eisenbahngesellschaft mbH (SOEG) und der Döllnitzbahn GmbH betrieben.

Zu den fünf verbliebenen und täglich betriebenen Strecken in Sachsen gehören:

  • Sächsische Dampfeisenbahngesellschaft (SDG)
    • Cranzahl-Kurort Oberwiesenthal (Fichtelbergbahn)
    • Radebeul Ost-Radeburg (Lößnitzgrundbahn)
    • Freital-Hainsberg-Kurort Kipsdorf (Weißeritztalbahn)
  •  Sächsisch-Oberlausitzer Eisenbahngesellschaft (SOEG)
    • Zittau-Kurort Oybin/ Kurort Jonsdorf (Zittauer Schmalspurbahn)
  • Döllnitztalbahn
    • Oschatz-Mügeln-Kemmlitz/ Glossen  
       

Außerdem gibt es derzeit drei Museumsbahnen, welche ehrenamtlich betrieben werden: Die Preßnitztalbahn (Steinbach - Jöhstadt), die Museumsbahn Schönheide (Schönheide -Stützengrün), beide im Erzgebirgskreis gelegen, sowie die Muskauer Waldeisenbahn, welche im Nordosten Sachsens auf einer Spurweite von 600 mm verkehrt.

Des Weiteren kann man in Sachsen fünf Museumsbahnhöfe besichtigen. Im Erzgebirgskreis ist dies in Oberrittersgrün mit dem Sächsischen Schmalspurbahnmuseum sowie in Schönheide Süd und Carlsfeld der Fall. Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge findet man sowohl in Wilsdruff als auch in Lohsdorf museale Bahnhofsanlagen, die im Rahmen von Sonderveranstaltungen genutzt werden.

Rechnet man die Strecken der verbliebenen Linien zusammen, erreichen sie immerhin auch heute noch eine Länge von knapp 100 Kilometern.

 

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Eindrücke aus Sachsen

Die Waldeisenbahn Muskau

Zwischen Weißwasser und Bad Muskau/Kromlau verkehren die Züge der Muskauer Wald- eisenbahn (© Christian Sacher)

Ein Teil der Schwarzbachbahn

In der Sächsischen Schweiz wird ein Teilstück der ehemaligen Schwarzbachbahn reaktiviert (© Thomas Moldenhauer)

Die Döllnitzbahn

Die Döllnitzbahn fährt zwischen Oschatz und Mügeln (© Christian Sacher)

Die Zittauer Schmalspurbahn

Ein Aussichtswagen der Zittauer Schmalspurbahn (© SOEG)

Dampflok 4 K

Eine Dampflok IV K, die 1899 in der Sächsischen Maschinenfabrik in Chemnitz hergestellt wurde (© Norbert Millauer/ ddp)

© Sächsische Staatskanzlei